Stamm Geschwister Scholl - Rüppurr/Beiertheim
 
 
 

INHALT:

Bundeslager 2002

Jurtown - it's your town!

von Philipp


„Jurtown - it's your town", lautete das Thema des im Juli 2002 stattgefundenen Bundeslagers des Verbands Christlicher PfadfinderInnen, über das ich jetzt, sechs Jahre später, rückblickend zu berichten versuche. Die Erinnerungen wären sicherlich klarer, präziser und emotionaler, wenn ein solcher Bericht nicht erst über ein halbes Jahrzehnt später entstehen würde... Aber dennoch ist „Jurtown" eines der Lager, das mir noch am prägendsten in Erinnerung geblieben ist. Sei es, weil es mein erstes Bundeslager war, oder weil viele Fotos eine gute Gedankenstütze bilden, oder auch schlicht und einfach deswegen, weil ein Lager mit über 4000 Pfadfindern für einen zwölfjährigen eine ziemlich große Sache ist.


So fuhren wir, Manuel und ich am 27. 7 .02 mit dem Zug los gen Rehau/ Hof in Bayern und erreichten nach einem kurzen Fußmarsch auch schon den Lagerplatz, auf dem, abgesehen von ein paar sanitären Anlagen (auch Dixies genannt) und einigen riesigen Pinten, eigentlich kaum Zelte standen. Selbstverständlich, denn wir, die Teilnehmer kamen ja gerade erst an, und unsere Wohnstätten waren noch tief in unseren Kisten verpackt.


Als unser Zelt in Schlossallee, Stadtteil Sexy-Bäderly Hills (oder Sächsi-Bäderly, ich bin mir nicht sicher, zumindest bildete sich der Name unseres Luxusviertels aus der Herkunft der dort residierenden Bürger aus Sachsen und Baden, soviel ist sicher!) endlich stand, gingen wir zur Lagereröffnung vor die große Bühne, welche, ohne Frage, die niedliche Minibühne bei BuLa '06 weit in den Schatten stellt, oder aber mir damals einfach nur größer vorkam. Dort wurden alle Teilnehmer, Ranger/Rover, Leiter und Mitarbeiter von der Lagerleitung und dem Schirmherr des Lagers, Otto Schily, begrüßt. Eine Band spielte, und bei bestem Wetter waren alle ausgelassener Stimmung.

An den Ablauf der einzelnen Tage vermag ich mich nicht chronologisch zu erinnern, aber ich will versuchen, die mannigfaltigen Aktivitäten, die angeboten wurden, schlaglichtartig zu nennen.
Dazu sollte man wissen, was denn nun eigentlich der Sinn des Lagerthemas war... Es war der Versuch, eine große (Zelt-)Stadt zu bauen, verbunden mit einem Wettbewerb zur „Hauptstadt Europas". Ich will nicht zuviel verraten, aber wir haben ihn schlussendlich gewonnen. Und das trotz großer Konkurrenz...

Da Manuel und ich damals noch, mit unseren 12 Jahren, zu jung für die Pintenabende waren, und ab 11 Uhr nicht mehr hineingelassen wurden, war unser Vergnügen in ihnen, so wir nicht gerade tagsüber die riesigen Bauwerke aus Planen, Baumstämmen und abertausenden Heringen und Seilen bestaunten, auf das vornächtliche Pintenprogramm beschränkt. Hatten wir später noch Hunger, mussten wir uns unsere heiß geliebten Fischbrötchen (Pinte - Hamburg, wenn ich mich nicht irre) von einem älteren Pfadfinder mitbringen lassen. Das Abendprogramm bot außer netten Unterhaltungen Dinge wie Kicker und in SB-Hills auch jeden Abend eine Soap mit hochkarätiger Besetzung, in der sogar brüderliche Verwandtschaft gastierte.


Erwähnenswert und gleichzeitig das Pfadfinder - Wurzeln - Wald - Primitv - Klischee zerstörend waren auch Zelte mit technischen Errungenschaften wie große Bühnen, auf denen Weltstars wie Felix Ihle aus Bruchsal, Stamm Paul Gerhardt auftraten, Webcams, Internet-Cafés und sogar ein eigenes Lagerradio, das im ganzen Raum Rehau zu empfangen war. Von diesen Einrichtungen profitierten wohl vor allem die internationalen Gäste aus Schweden, Südafrika und anderen Ländern.


Geboten wurden außerdem abwechslungsreiche Workshops, da blieben mir vor allem Orientierung (weil ich das mit Manuel gemacht habe), Pizza-Ofen bauen, Lagertorbauten, Kleingartenanlagen und andere Dinge zur allgemeinen Verschönerung des Lagerplatzes in Erinnerung. Außerdem gigantische Wasserschlachten, „Kohtenschönheitswettberwerbe" und der Wettbewerb zum besten als Frau gestylten Mann, bei dem Manu leider verdient keinen Platz bekam.


Zuletzt war ein Höhepunkt des Lagers natürlich der ehemals zweitägig geplante Hajk durch die Wiesen, Wälder und Dörfer rund um Rehau, der sich, als wir einen äußerst schönen Schlafplatz an einem kleinen See mit Steg fanden, zu einem dreitägigen, äußerst gemütlichen Hajk verwandelte. Dabei begleiteten uns unser Leiter Jonas und seine Freundin, von der er stur behauptete, dass sie seine Schwester sei, und einige Kinder aus Bruchsal. Abends gab es dann Nudeln mit Crême fraîche, ohne Salz oder sonstige Gewürze, welche wir über offenem Feuer kochten, und in Manuels Handtuch abgossen, alles fallen ließen und noch mal von vorne anfingen. Um das Feuer zu entfachen hatten wir Jonas zuvor in der Dunkelheit geholfen eine brüchige Hütte auseinander zu nehmen, die auf irgendeinem Acker in Bayern stand. Das heißt, wir haben die Taschenlampen gehalten.


Zurück auf dem Lager folgte der Tag der offenen Tür, wo große Teile der örtlichen Bevölkerung sich die kleine Pfadfinderstadt ansehen konnte, die da auf dem Acker vor ihren Häuser einfach so aus dem Boden gewachsen war. Währenddessen strömten große Teile der Bewohner Jurtowns ins örtliche Freibad, um der brennenden Sonne zu entkommen. Für Pfadfinder kostenlos.
Mit einer großen Feier, und der Krönung Jurtwons zu „Hauptstadt Europas" ging dieses großartige Lager leider nach 10 Tagen schon zu Ende.

 

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