Stamm Geschwister Scholl - Rüppurr/Beiertheim
 
 
 

INHALT:

Landeslager 2008

Mitra- das schützende Amulett

 

von Philipp und Timo

 

Alle vier Jahre wird in VerfeCwaPlu, der Stadt der Elemente, in einer übergroßen Zeremonie das Schicksal der Stadt und ihrer Bewohner vorhergesagt.

Dieses Jahr war es wieder soweit. Die Bewohner der Stadtteile Feuer, Erde, Wasser und Luft bauten ihre Zeltpaläste unter der glühenden Sonne Hessens auf und weihten ihren jeweiligen Stadtteil mit einer Feier ein. Im Stadtteil „Boreas“, in dem die Rüppurrer Helden untergebracht waren, verpflichteten die überaus engagierten Plugurus, Amal Gam und Ailad Drama, zur Eröffnungsfeier sogar die Plues Brothers, die extra für diesen Auftritt ihre Welttournee unterbrachen und den Number one Hit „Blues for Plu’s people“ zum Besten gaben (Plu ist der Gründer des Luftstadtteils Boreas). Danach strömten die in weiß gekleideten Massen mit Fahnen, Bannern und den berühmt berüchtigten Feinrippunterhemden* in die Stadtarena und erwarten sehnsüchtig die drei Weisen.
Die Prophezeiung verriet nichts Gutes und dennoch ließen es sich die Bewohner nicht nehmen zu feiern und wurden auf dem dazu extra errichteten Jahrmarkt fürstlich mit Speis und Trank versorgt. Bei diversen Wettkämpfen oder Geschicklichkeitsspielen konnten die Bewohner ihr Können unter Beweis stellen.

Schon am nächsten Morgen zeigte sich, dass die Weisen sich nicht geirrt hatten. Die Stadteile Matschu Pitschu (Erde), Aqua Rium (Wasser) und Boreas (Luft) wurden in der Nacht verwüstet. Seltsamerweise blieb Inferno (Feuer) verschont.
Keineswegs entmutigt bauten die Boreaner ihr Gemeinschaftszelt wieder auf und widmeten sich der Verschönerung ihres Stadteils, indem sie ein ewig gigantisches Lagertor errichteten, dessen Webrahmenauge den Teillagereingang nachts durch eine Petroleumlampe erhellte, Sitzbänke im Gemeinschaftszelt schufen, Traumfänger, Kois und DidgeriPlus bastelten.
Wer sich in den Workshops noch nicht genügend ausgepowert hatte konnte den Abend in der wunderschönen Lagerpinte „zum zerbrochenen Krug“ bei Kerzen und Lagerfeuer sitzen, quatschen und singen.

Obwohl die Zerstörungen des Vortages ausgebessert waren, galt es am Montag den Verantwortlichen dieser Schandtat zu finden und seiner gerechten Strafe zuzuführen. Zu diesem Zwecke teilten sich die Teilnehmer in mehrere Kleingruppen auf und versuchten in einem großen suboptimal konzipierten Geländespiel durch geschickte Tauschhandel Hinweise von den in Wald und Umgebung versteckten Nomaden zu erhalten. Sie wurden fündig: Verschiedene Hinweise deuteten darauf hin, dass die älteren Ranger/Rover aus dem Teillager Inferno etwas mit der Sache zu tun hatten. Der lagereigene Detektiv und Sheriff erließ sofort mehrere Steckbrief - gestützte Haftbefehle gegen einige der Fieslinge. Diese wurden von den Kindern verhaftet und ausbruchssicher verschnürt. Der Verdacht gegen die Ranger/Rover erhärtete sich, als das Teillager Inferno am nächsten Morgen wie leer gefegt war, und die Wächter der Gefangenen auf dem Platz lagen. Natürlich galt es die Ranger/Rover wieder zurück ins Lager zu bringen, zumal ihre Schuld nicht bewiesen war, und es für ein gutes Stadtfest unerlässlich war, dass alle Stadtteile anwesend waren. Damit die Wanderung und die damit verbundene Suche nach den R/R ein Erfolg würde, wurden die Kinder noch am selben Tag von Spezialisten zu Experten in einem hajkrelevanten Fachgebiet ausgebildet. (Spurensuche, Orientierung, Erste Hilfe, Andacht, Küche …) Am Ende des Tages waren die Rucksäcke gepackt (naja...) und die überflüssigen Dinge in Kisten verstaut.

So gut vorbereitet ging es dann am nächsten Morgen früh los. Nachdem wir vom Hajkteam wenig Proviant und eine scheinbar dem Kubismus entstammende Karte erhalten hatten, auf der kein einziger Stadtname lesbar war, verließen wir zwölf Rüppurrer (6 Kinder, 6 Leiter …sehr entspannt) den Lagerplatz. Trotz der hervorragenden Navigation durch unseren Orientierungsexperten Leo unterlagen wir den widrigen Kartenumständen und verliefen uns schon wenige Meter hinter dem Lagerplatz. Nach etwa zwei Stunden laufen gönnten wir uns ein Mittagspicknick im sonnendurchfluteten Wald, wobei wir auf einen Schlag ca. ¾ unseres Proviantes verbrauchten. Als wir bei einem freundlichen örtlichen Bauern unsere Wasserflaschen auffüllten, erfuhren wir, dass es außer der ausgeschriebenen Schutzhütte etwas weiter eine Pizzeria und nette Bauern mit großen Scheunen gebe. Von Hunger und dem Gedanken an eine heiße Pizza angespornt ließen wir die mit Pfadis völlig überfüllte Schutzhütte hinter uns und schritten forschen Schrittes vorran, selbst als sich uns erste Vorboten des Gewitters offenbarten.
Tja, und mitten im Wald brach dann eine wahre Sintflut los, ein Regenguss der Superlative, der nichts, gar nichts trocken ließ, zumal einige unserer kleinen Experten ihre Regensachen ganz unten in den Rucksack gepackt hatten… Völlig durchnässt rannten wir förmlich bis zur nächsten Brücke (manch ein Leiter mit einem Rucksack zuviel) und überlegten uns das weitere Vorgehen. Der Regen hatte aufgehört, und die letzten trockenen Klamotten wurden verteilt und geteilt. Der Plan war, so in der nächsten halben Stunde keine warme Unterkunft zu finden wäre, einen Abholdienst zum Lager zu organisieren. (Was zum Glück nicht nötig war, denn sonst hätten wir womöglich noch, wie eine andere Gruppe, die Feuerwehr gerufen). Nach zwanzig Minuten wurden wir in Naßheck bei einem zuvorkommenden Bauern in die Scheune gelassen, wo wir uns auf Stroh niederlegen durften. Kinder und Leiter hatten sogar getrennte Pferdeboxen.
Aber was war mit der versprochenen Pizza?
Eine Pizzeria war nirgends zu sehen. Aber um unser Versprechen nicht gänzlich zu brechen liefen die Leiter, obwohl kurz zuvor ein Blitz unter ohrenbetäubendem Lärm in den Vorhof der Scheune eingeschlagen hatte, ca. 1 km über das Feld um in einem Restaurant Pommes zu holen, die tatsächlich warm ankamen.

Am nächsten Morgen ging es ohne Frühstück Richtung VerfeCwaPlu, was wir nach ca. einer Stunde noch vor den Bruchsaler Pfadis, wodurch wir unsere Wette gewannen, erreichten. Am Abend fand im „Zum zerbrochenen Krug“ der Sängerwettstreit statt, bei dem ein Teil der Rüppurrer Pfadis (Philipp, Johannes und Timo) teilnahmen und erfolgreich den vierten, dritten und ersten Platz belegten. Der folgende Tag wurde für einen entspannten Ausflug in ein nah gelegenes Schwimmbad genutzt, was wir auch nach einer dreiviertelstündigen Odyssee fanden.

Der darauf folgende Tag stand ganz im Zeichen des Sportes. In gemischten Kleingruppen durften sich die Teilnehmer bei verschiedenen Sportangeboten austoben und zugleich Fragmente des Mitramosaiks verdienen.

Nach dem abschließenden Gottesdienst in der Arena befand sich das Lager schon in Aufbruchstimmung. Der Großteil der Zelte wurde abgebaut, sowie Lagertore und andere Lagerbauten. Das mysteriöse und zugleich faszinierende Mitraamulett konnte von den drei Weisen entschlüsselt werden: Es war ein Synonym für die Freundschaft.

Der letzte Abend wurde von den Leitern und Mitarbeitern, und vor Schlafenszeit auch von den Kindern, in eine obergroße Party verwandelt. Die Rüppurrer Helden (Säbelzahntiger) schliefen, unter dem Sternenhimmel gebettet, auf dem Versammlungsplatz von Boreas. Leider mussten sie in tiefer Nacht aus ihrem Schlaf gerissen werden um dem sintflutartigen Regen zu entgehen.

Der Abfahrtsmorgen brachte viele „Auf Wiedersehen's“ und so wird es auch hoffentlich sein.

Gut Pfad

 

*(Auszug aus der TextilkundeEnzyklopedie zur psychologischen Deutung von Kleidungsstücken: DAS FEINRIPPUNTERHEMD:

Das Feinripp Unterhemd (ripae raffinato) weißt seinen jeweiligen Träger zweifelsfrei als hart arbeitenden, ehrlichen, oftmals sekundär carnivivor konsumierenden, ohne konformistische Zwänge lebenden oder unter geminderter Transpiration leidenden Menschen aus.

 

Index >> Erlebtes